Hauswurze (Sempervivum)

Systematik
Ordnung: Steinbrechartige (Saxifragales)
Familie: Dickblattgewächse (Crassulaceae)
Unterfamilie: Sedoideae
Tribus: Sedinae
Gattung: Hauswurze
Wissenschaftlicher Name: Sempervivum
Die Hauswurze (Sempervivum, Einzahl: die Hauswurz) sind eine Gattung inder Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae). Derzeit sind üblicherweise in der Fachliteratur zwischen ca. 40 bis ca. 60 Arten angegeben, ca. 200 wurden früher beschrieben, sind aber heute mehrheitlich nicht mehr als eigenständige Arten an erkannt. Zudem gibt es mittlerweile über 3000 Sorten ingärtnerischer Verwendung. Sie werden unterteilt in die Untergattungen bzw. Sektionen Sempervivum und Jovibarba. Von manchen Botanikern werden beide als eigenständige Gattungen gesehen.

Etymologie

Der Name Sempervivum kommt aus dem Hoch-Mittelalter und stammt aus demLateinischen: „Semper" bedeutet „immer" und„vivus"bedeutet „lebend". Semperviven sind also so genannte„Immer-Lebende", wohl weil diese ausdauernden SukkulentenihreBlätter im Winter behalten und sehr widerstandsfähiginpuncto schwieriger Wachstumsbedingungen sind. Betrachtet man die erstenErwähnungen dieser Pflanzen in der Antike, kann der NameSempervivum auch daher kommen, dass der Saft dieser Pflanzen Samenanderer Kulturpflanzen vor Tierfraß schützt, alsodie damitbehandelten Samen langlebiger macht.

Habitus
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Hauswurze wachsen als Horste (Rosetten-Polster) mehr jähriger,immer grüner, sukkulenter Pflanzen. Die Pflanzen sind hapaxanth(bzw. monokarp), das heißt nach der Blüte sterben die Rosetten ab, die geblüht haben. Die Größe der ballförmig geschlossenen, halbkugeligen oder sternförmig aus gebreiteten Rosetten liegt zwischen 0,5 cm (teilweise bei Sempervivum arachnoideum oder Sempervivum globiferum subsp. arenarium) und 22 cm (teilweise bei Sempervivum grandiflorum und bei Sempervivumtectorum-Hybriden und Auslesen), hauptsächlich aber bei 3–6cm. Bei der Blütenbildung strecken sich die Internodien der Sprossachse zu einem Langtrieb. Die Blütenstände werden zwischen 3 cm (Sempervivum minutum) und 50 cm (Sempervivum tectorum) hoch, ragen meist aber sieben bis zwanzig Zentimeter in dieHöhe.

Wurzeln

Die Wurzeln sind die einer typischen Bergpflanze auf steinigem Grund.Das Wurzelsystem ist von einigen wenigen Hauptwurzeln geprägt, die tief und kraftvoll in den Boden eindringen. Mitunter gibt es auch eine einzige sehr dicke Hauptwurzel. Mehrere Nebenwurzeln führen Nährstoffe und Wasser heran. Insgesamt ist das Wurzelsystem im Sinne größtmöglicher Verankerung und Wasseraufnahme austieferen Bodenschichten gestaltet.

Das Wurzelsystem ist oft überzogen mit einemweißlichen Belag: Das ist Mykorrhiza - eine Zusammenarbeit, ein gegenseitiges Geben und Nehmen zwischen Pilz und höherer Pflanze. Der Pilz profitiert bei dieser Symbiose von den Zuckern, diedie höhere Pflanze in ihren grünen Teilen bildet und wieder bis in die Wurzeln leitet. Die höhere Pflanze profitiert zu meinen davon, dass der Pilz Mineralstoffe aus den organischen Stoffenisolieren kann, und zum anderen davon, dass die Oberfläche für die Aufnahme von Wasser und Mineralstoffe durch die Filamentedes Myzels viel größer ist.

Das Wurzelgebilde ist durch diese Mykorrhiza durch dessen oben beschriebenen Wirkungen in seinem Erscheinungsbild beeinflusst. Es ist kürzer und dicker als es ohne Symbiose wäre und esweistkeine Wurzelhaare auf.

Blätter

Kalk-Hauswurz (Sempervivum calcareum), eine Art mit vielenBlättern, die ins Bläulich-Grüne bisGrau-Olivgrünespielen (glauk, glaukeszent). Die Blattspreiten sindlänglich-eiförmig, die Blattspitzen zugespitzt undrotbraun.

Wie viele Dickblattgewächse (Crassulaceae) sind Hauswurz-Arten (Sukkulente) in der Lage, in ihren Blättern Wasser zu speichern.Die in der Regel sehr "fleischigen" Blätter sind seitlich zumTeilflaumig (pubeszent) behaart oder besitzen Randwimpern. Die Behaarung kann Drüsenhaare enthalten. Die Blattspitzen verfügen teilweise über Haarbüschel. Die Form der Blätter der verschiedenen Arten ist vielfältig. Sie können beispielsweisel anzettlich, elliptisch, länglich lanzettlich, verkehrtlanzettlich, eiförmig, verkehrt eiförmig, spitz,keilförmig oder länglich spatelig sein. Die Spitze kann ebenso verschieden gestaltet sein. Meist ist sie spitz zulaufend oder kurz-kleinspitzig. Die Pigmentierung der Blätter ist je nach Jahreszeit, Standort und Sorte variabel. Es gibt stark mit Anthozyanenangereicherte Blätter, diese sind dann rotbraun oder auch selten in Violetttönen gefärbt. Es können diverse Farbabstufungen auftreten wie grau-olivgrün,graugrün, aber auch sehr blasse Tönungen (pseudochlorotisch). In letzterem Fall sind die Blätter gelblich bis gelblichgrün. Die Färbungist hauptsächlich von der Sonneneinstrahlung abhängig, zum Teil aber auch genetisch bedingt. Es stellt sich die Frage, wie Hauswurze und ähnliche Sukkulente mit ihren Wasser speichern den Blättern den Winter überstehen können.Dieses ist durchim Zellsaft vorhandene Zuckermoleküle, die ein Gefrierenverhindern, zu erklären.

Blütenund Blütenstände

Blüte einer Hybride zwischen Berg-Hauswurz undSpinnweb-Hauswurz (Sempervivum arachnoideum × montanum, auch Sempervivum×barbulatum)

Die Rosetten blühen spärlich, die Blütezeitliegt zwischen Ende Mai und Ende August.

Der - bei den Hauswurzen in der Regel kompakte - Blütenstand (dieInfloreszenz) ragt aufrecht, er hat meist dichte, vielblütige Cymen mit meist drei gabeligen Wickeln.

Ihre zwittrigen Blüten weisen zuerst ein männliches Stadiumauf. Danach biegen sich die Staubblätter zur Seite und weg von den Fruchtblättern im Zentrum der Blüte. Auf diese Weise wird Selbstbestäubung erschwert. Die Färbung der Blüten iströtlich, gelblich oder - selten - weißlich. In der Untergattung Sempervivum (Sempervivum sensu stricto, d.h. Sempervivumim engeren Sinne, also Sempervivum subgenus Sempervivum) sind die Blüten radiärsymmetrisch, d. h. wie ein Stern mit Strahlen geformt und sie haben mehr als sechs Blütenhüllblätter,d.h. sie haben acht bis 18 Kronblätter (Petalen) proBlüte.

Bei den Jovibarba-Arten (Sempervivum subgenus Jovibarba) sind die Blüten glockenförmig. Sie haben in der Regel sechs Kronblätter (Petalen), nur selten sieben, weisen mehr oder weniger gefanste Ränder auf und sind weißlich bis blass-grün,gelblich-grün oder gelb gefärbt.

Frucht und Samen

Die Morphologie des Pollens von Sempervivum im engeren Sinne ist unterdem Lichtmikroskop ellipsoid, die von Jovibarba eher stäbchenförmig.

Die vielsamige Frucht steht relativ aufrecht und öffnet sich entlang der Bauchnaht. Die Samen sind ellipsoid, eiförmig oder birnenförmig, braun und gerippt. Es werden sehr viele Samen gebildet, die klein und leicht sind. Mühelos werden sie durch den Wind ausgebreitet (Anemochorie) und auch von kleinsten Unebenheiten des Bodens gestoppt.

Vermehrung

Hauswurze vermehren sich vegetativ durch Tochterrosetten (Kindel), die sich an unterschiedlich langen Stolonen bilden und dort dann einwachsen. Die einzelne Rosette bildet meistens zwei bis drei Jahrelang Tochterrosetten, dann steht die Blüte an, wonach die Rosette abstirbt. Eine sortenechte Vermehrung gewährleistet nur die Abnahme dieser Tochterrosetten. Bei Semperivivum heuffelii (synonymJovibarba heuffelii; „Henne und Küken") sitzen dieTochterrosetten direkt an ihrem rübenartigen Wurzelstock.Optischtäuschen die Pflanzen so eine Rosettenteilung vor. Auch eine sexuelle Vermehrung über die reichlich gebildeten staub feinen Samen der Lichtkeimer ist möglich. Die Hybridisation ist bei Semperviven sehr stark ausgeprägt. Deshalb bietet sich ein Aussäen nicht an, wenn die gleiche Art bzw. Form der Pflanze wieder erreicht werden soll.

Verbreitung

Sie kommen von Marokko bis zum Iran vor, ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich zwischen diesen Eckpunkten durch die spanischen Sierras, die Alpen, Karpaten, die Berge des Balkan, der Türkei und Armeniens. Sie leben hauptsächlich auf besonnten Felsen und steinigen Gebieten in der montanen, subalpinen und alpinen Zone. Die Gattung ist also hauptsächlich in den europäischen Gebirgenzu finden. Mit Sempervivum atlanticum aus dem Atlas-Gebirge und Sempervivum iranicum aus dem Elburs-Gebirge greift ihre Verbreitung wiedie Spitzen einer Sichel auch nach Afrika und Asien hinein. Ihren atürliche Verbreitung ist somit auf die nördliche Hemisphäre und die so genannte "Alte Welt" beschränkt. Kultivare kommen selbstverständlich auch außerhalb dieses Gebietes vor.

Einige im Alpenraum heimische Arten

Sempervivum tectorum subsp. tectorum, Dach-Hauswurz
Sempervivum arachnoideum, Spinnweb-Hauswurz
Sempervivum wulfenii, Rosette
Sempervivum grandiflorum, Blüten
Sempervivum globiferum subsp. globiferum, Lochenstein, Deutschland

In den Alpen sind die am meisten verbreiteten Arten die Dach-Hauswurz (Sempervivum tectorum, in Schweizer Veröffentlichungen auch als Sempervivum alpinum), die Berg-Hauswurz (Sempervivum montanum, siehe Foto oben bei den Polsterpflanzen) und die Spinnweb-Hauswurz (Sempervivum arachnoideum).

Die Dach-Hauswurz (S. tectorum) kann man auch auf Dächern (Name!)und Mauern finden, meist angepflanzt, mit unter verwildert bzw. wild,mit unter sehr weit von ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet entfernt.

Ein relativ kleines Verbreitungsgebiet haben die beiden gelbblühenden Arten Wulfen-Hauswurz (S. wulfenii) und Großblütige Hauswurz (S. grandiflorum), und die weißlich-blassrosa blühende Kalk-Hauswurz (S.calcareum).Die Serpentin-Hauswurz (Sempervivum pittonii) ist nur auf zwei Berghängen nahe Kraubath an der Mur in Österreich zufinden. Sie blüht gelb. Ebenfalls gelb blühende Arten sind Sempervivum grandiflorum und Sempervivum wulfenii.



Quelle: wikipedia.org



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